FRIEDRICH-SPEE-GYMNASIUM RÜTHEN Zurück zur Theaterseite 
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RUNDSCHAU

Rüthen. Wieder einmal überraschte die Theatergruppe des Friedrich-Spee-Gymnasiums Spectaculum mit einer überzeugenden Leistung am letzten Samstagabend sein Premierenpublikum. Sollte man doch als Theaterkenner im vorhinein meinen, die Kleistsche Komödie "Der zerbrochne Krug" sei für ein Schülertheater eine Nummer zu groß. - Jedoch unter der Regie von Hermann Bertling ging das gesamte Ensemble mit umwerfendem Selbstbewußtsein, ausgefeiltem Spiel und einer treffsicheren Interpretation zu Werke. - Das Publikum bedankte sich für den gelungenen Theaterabend mit langanhaltendem Schlußapplaus!

Hervorragend bis ins Detail von Spectaculum herausgearbeitet zeichnet die Inszenierung die von Kleist gemeinte psychologische Milieustudie, gestützt von einem sorgfältig durchdachten und liebevoll gestalteten Bühnenbild. In dieser verstaubten bäuerlichen Amtsstube entfaltet Danny Lattrich als Dorfrichter Adam mit Bravour eine der vielschichtigsten Figuren der Theatergeschichte. Ihm gelingt es, neben den umwerfend komödiantischen Aspekten auch die ganze Tragik dieser verkorksten Persönlichkeit treffend vorzuführen. Der Zuschauer bekommt am Schluß sogar Mitleid mit dem Richter, der nicht begreift und seine eigene Schuld nicht nur vertuschen, sondern sie darüberhinaus vor sich selbst nicht wahrhaben will, obgleich der Gerichtsrat Walter, fein und angenehm herausgespielt von Uwe Lammert, ihm goldene Brücken baut, weil verhindert werden soll, daß die Gerichtsbarkeit der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Intellektuell seinem Dienstherrn hoch überlegen präsentiert sich der Schreiber Licht - überzeugend aufgenommen von Jens Farke - der in seiner dörflichen Begrenztheit seinen schlechten Charakter nicht verheimlichen kann; mit vielen kleinen Schäbigkeiten versucht Licht, Adam vor dem Gerichtsrat zu Fall zu bringen.

Aber erst mit dem Auftritt der Kläger und Beklagten bekommt das derb-naturalistische Bild seine volle Ausgestaltung: So sitzt der Vater Veit Tümpel (Holger Bertling) wortkarg aber äußerst präsent in der Zeugenecke, wenn sein Sohn Ruprecht, gekonnt gespielt von Holger Höttecke, in simpler Naivität die Geschehnisse der letzten Nacht aus seiner begrenzten Perspektive dem hohen Gericht erzählt, oder wenn die temperamentvolle Frau Marthe Rull (Regina Heppe) zum Amüsement des Publikums ihre Klage vorbringt und dabei sich nicht scheut, an Tochter Eve nebst zukünftigem Bräutigam Ruprecht Ohrfeigen zu verteilen. Elena Dainotti gelingt es in der Rolle der Eve insbesondere auch mit treffender Mimik, die Gefühlsschwankungen, die diese Figur durchlebt, glaubhaft darzustellen. - Zum Schluß des Dramas zieht sich für den Richter Adam die Schlinge immer enger zu, da sich plötzlich eine weitere Zeugin findet, die entscheidend zur Aufklärung des Streitfalls um den "zerbrochnen Krug" beiträgt. Frau Brigitte, gut herausgestellt von Eva Meyer, hat die Spur entdeckt, die ins Gerichtshaus führt. - Die zwei Mägde (Claudia Thomas, Jessica Meier) und der Büttel (Christoph Happe) sorgten nicht zuletzt für eine runde Ensemble-Leistung, die diese Spectaculum-Inszenierung für den Zuschauer zu einem Erlebnis werden läßt.

Werner Grothas

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