Kurze Geschichte des Dopings
Das Wort "Dop" stammt aus einem in Südostafrika gesprochenen Dialekt und umschreibt einen hochprozentigen Schnaps, der bei Kulthandlungen als Stimulans verwendet wurde. Die Engländer nahmen später (nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit den dort angesiedelten Buren) diesen Begriff in ihren Wortschatz auf und brachten ihn nach Europa.
Das Wort "Doping" selbst wurde 1888 erstmals in einem englischen
Wörterbuch erwähnt und bezeichnete eine Mischung aus Opium und Narkotika
zum Einsatz bei Pferderennen.
Spekulationen begleiten sportliche Höchstleistungen seitdem bekannt ist,
dass es Medikamente gibt, welche die eigene Leistung "unphysiologisch
steigern". Lief die Sprinterin ihre phänomenale Zeit aufgrund
optimalen Trainings, oder hat sie zu verbotenen Substanzen gegriffen? Können
wir sicher sein, dass die Goldmedaille auf ehrliche Weise verdient ist? Können
Spitzenleistungen überhaupt ohne Doping erbracht werden?
Neu ist der Gebrauch unerlaubter Mittel zur Leistungssteigerung allerdings
nicht. Der Gedanke der künstlichen Leistungssteigerung reicht bis in
die Antike zurück: seien es nun die damaligen Olympioniken, die Unmengen
an Stierhoden verzehrten, um ihre Kampfkraft zu steigern, die
Cocablätter kauenden Inkas Mittel- und Südamerikas
oder der Tarahumara-Indianerstamm, der durch das Essen des Peyote-Kaktus
in der Lage war, mehrere hundert Kilometer ohne Unterbrechung zu laufen.
1886 kam es beim Radrennen Bordeaux - Paris zu einem ersten
bekannten Todesfall (Linton). Heroin und Cocain wurden als Dopingmittel benutzt.
Bekannt ist auch ein Dopingfall beim olympischen Marathonrennen von 1908 in
London, wo Strychnin als Stimulanz im Spiel war. Der Italiener Dorando Pietri
erreichte taumelnd das Stadion, stürzte und wurde disqualifiziert, weil
ihm über die Ziellinie geholfen wurde. Er war aber nicht aufgrund von Erschöpfung,
sondern wegen des Strychnins zusammengebrochen.
Auch heute glauben Viele, dass sie nur Bestleistungen erbringen können,
wenn sie einen "Zaubertrank" zu sich nehmen. Medizinische Erkenntnisse
werden zur Leistungsmanipulation genutzt.
(siehe Determinanten körperlicher Leistungsfähigkeit)
Entdeckung von Testosteron
In den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts wurde die muskelbildende Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron von Hochleistungssportlern für die Verbesserung ihrer Wettkampfchancen entdeckt. Es begünstigt den Aufbau von Muskeln. Die eiweißaufbauende (anabole) Wirkung ist es, die hier benutzt wird. Aber erkauft wird dies mit Nebenwirkungen. Männer beklagen Haarausfall, sie bekommen Brüste oder die Hoden schrumpfen. Sportlerinnen zeigen Vermännlichungserscheinungen, bekommen eine tiefere Stimme oder einen kräftigen Bart- und Körperhaarwuchs.
Der kanadische Leichtathlet Ben Johnson wurde 1988 bei Olympia in Seoul zum
bekanntesten Dopingfall. Zwei Tage nach seinem Sieg über 100 m in der bisher
nie wieder erreichten Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden wurde er des Anabolika-Dopings
überführt und disqualifiziert.
Der Fußballer Diego Maradona und die Leichtathleten Katrin Krabbe, Linford
Christie oder Marlene Ottey sind weitere bekannte Sportler, die des Dopings
überführt wurden. Begleiet werden alle Dopingfälle von Dementis
und Gerüchten. Anabolika, Wachstumshormone, Blutdoping und das rote Blutköperchen
vermehrende Erythropietin (EPO) haben die Stimulanzien als Hauptdopingmittel
verdrängt, aber die Dopingexperten laufen immer wieder den Nachweismöglichkeiten
hinterher. Trainingbegleitende Kontrollen sollen dem Dopingmissbrauch reduzieren.
Seit 1966 werden bei internationalen Sportveranstaltungen Dopingkontrollen durchgeführt.
Die Sportverbände geben regelmäßig eine Liste verbotener Substanzen
heraus. Doping ist längst zu einem beherrschenden Thema in der nternationalen
Sportdiskussion geworden.
Manipuliert wurde im Sport schon immer. Und so ist es nicht verwunderlich,
dass auch immer nach neuen Mitteln zur Leistungssteigerung gesucht wird. Nur
erwischen lassen darf man sich nicht - das ist die ungeschriebene Maxime, auch
wenn die öffentlichen Bekenntnisse für fairen und dopingfreien Sport
etwas anderes aussagen. Zwischen dopenden Sportler und Kontrolleur ist denn
auch ein ganz besonderer Wettbewerb entstanden, da immer neue Mittel ausprobiert
werden und der Nachweis immer schwieriger wird. Dabei gilt zunächst immer:
erlaubt ist alles, was nicht verboten ist.
Aber auch das gibt es: Sportlerinitiativen gegen Doping und für sauberen
Sport. Dass Dieter Baumann inzwischen selbst unter Dopingverdacht geraten ist,
zeigt die komplexe Problematik des Dopings in unserer modernen Sportwelt. Sogar
die Freigabe des Dopings steht zur Diskussion. Hauptargument: Beendigung der
Verlogenheit und Wiederherstellung der Chancengleichheit.
Das Dopingproblem ist aber nicht nur auf den Hochleistungssport beschränkt.
200-300.000 Sportler (v.a. im Bodybuildingbereich) sollen nach einer Untersuchung
aus dem Jahr 1999 Dopingmittel nehmen, selbst Jugendliche nehmen Dopingmittel.
Quellen: Microsoft Encarta 99, stern, aerztezeitung.de, library.thinkquest.org