Amphetamin wurde mit der Absicht entwickelt, asthmatische Symptome zu lindern. Bei Asthma führt eine Verengung der Atemwege zu einer anfallartigen Atemnot. Eines der wirksamsten Mittel zur Behandlung des Asthmas war das Adrenalin. Adrenalin ist ein Hormon, das unter Stressbedingungen vermehrt im Nebennierenmark gebildet und in die Blutbahn ausgeschüttet wird.
Adrenalin beschleunigt den Herzschlag, erhöht die Muskelkraft und erweitert die Lungen, was ein tieferes und besseres Atmen erlaubt. Die Fähigkeit den Bronchialbaum zu erweitern, macht Adrenalin zu einem der wirkungsvollsten Asthmamittel. Leider kann Adrenalin aber nicht oral verabreicht werden, da es im Magen- und Darmtrakt relativ schnell abgebaut wird. Daher wurde ein Derivat gesucht, das ausreichend stabil und aus dem Magen-Darm-Trakt gut resorbiert wird.
Dieses gelang in den zwanziger Jahren mit der Isolierung von Ephedrin aus der Pflanze "ma huang", die in China vorkommt. Die Wirkung des Ephedrins war die dem Adrenalin sehr ähnlich. Die Ähnlichkeit beider Wirkstoffe sind in den folgenden Strukturformeln im Vergleich zu Adrenalin und Noradrenalin dargestellt. Die strukturellen Ähnlichkeiten von Noradrenalin, Adrenalin, Ephedrin und Amphetamin sind in den folgenden Strukturformeln rot dargestellt. Alle vier Verbindungen haben eine gemeinsame Grundstruktur, die als Phenylethylamin bezeichnet wird. Die Substitution des Phenylringes bei Noradrenalin und Adrenalin mit zwei benachbarten Hydroxygruppen wird als Catecholstrukur definiert.
Da die chinesische Pflanze sehr selten war, blieb das Problem im Grunde bestehen.
Mitte der dreißiger Jahre gelang es Gordon Alles in Los Angeles eine Verbindung,
die er Amphetamin nannte, zu synthetisieren. Unter dem Handelsnamen Benzedrin
kam das Amphetamin in Inhalatoren verpackt auf den Markt. Der Vorteil hierbei
war, dass Amphetamin in einer flüchtigen Form dargestellt wurde, so dass
es direkt in die Lungen inhaliert werden konnte.
Wirkungen des Amphetamins
Man stellte schnell fest, dass Amphetamin die Schläfrigkeit verhinderte
und eine ermüdete Person aufputschte. Es freute sich in den Staaten
besonderer Beliebtheit bei Studenten, um während der Vorbereitung auf Prüfungen
das Schlafbedürfnis zu unterdrücken. Die deutsche Wehrmacht versorgte
ihre Piloten im Zweiten Weltkrieg mit Amphetamin, um sie während der Angriffe
nächtelang wach zu halten. Aber auch die Briten verteilten Amphetamintabletten
an ihre Soldaten.
Die Wirkungen der Stimulanzien vom Amphetamintyp entsprechen im wesentlichen
denen der körpereigenen Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin (Catecholamine)und
resultieren aus ihrer strukturellen Ähnlichkeit. Hierbei muss allerdings
zwischen einer direkten und indirekten Wirksamkeit unterschieden werden.
Die direkte Wirkung zeigen Substanzen, die ähnlich wie die Catecholamine
Hydroxygruppen am Benzolring aufweisen. Diese Derivate stimulieren dann die
alpha- und ß-Rezeptoren der Zielzellen ähnlich wie die Catecholamine.
Eine indirekte Wirkung zeigen dagegen Substanzen, die wie Amphetamin, keine
Hydroxygruppen am Benzolring besitzen. Die indirekte Wirkung wird dadurch vermittelt,
dass die zeitliche Länge der Wirksamkeit der Catecholamine erhöht
ist, was im wesentlichen durch eine verzögerte Wiederaufnahme der Catecholamine
aus dem synaptischen Spalt in die Vesikel der Neuronen bewirkt wird.
Catecholamine versetzen den Körper in die Lage, eine höhere Leistung zu vollbringen. Beispiele für ihre Wirkungen sind die Erweiterung der Bronchien (bessere Atmung und damit verbesserte O2-Aufnahme) und die Erhöhung der Herzkraft sowie der Herzfrequenz (verbesserter O2-Transport). In der Leber sowie in der Muskulatur werden Glycogen verstärkt zu Glucose abgebaut und in den Fettzellen Fette zu Fettsäuren gespalten. Sowohl Glucose als auch Fettsäuren liefern in der Muskelzelle die nötige Energie zur Aufrechterhaltung der körperlichen Arbeit. Die Wirksamkeit der Substanzen vom Amphetamintyp ist wissenschaftlich nachgewiesen. Sie zeigen positive Effekte auf die körperliche Leistung, insbesondere im ermüdeten Zustand.
QUELLE:
Forth, Henschler, Rummel, Starke: Lehrbuch der allgemeinen und speziellen Pharmakologie,
7.Auflage.
Wissenschaftsverlag Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1996.
Snyder SH: Chemie der Psyche - Drogenwirkung im Gehirn. Spektrum der Wisssenschaft,
Heidelberg, 1988.